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Weshalb Prämien nicht überall gleich hoch sind

Krankenkassenprämien sind nicht vom gesundheitlichen Zustand abhängig. Sie sind aber in der Stadt Zürich höher als im Safiental. Für diesen Unterschied gibt es gute Gründe.

 

Die 20-jährige Anna Hunger wohnt in Zürich-Wiedikon und  arbeitet  dort  als  Verkäuferin. Kürzlich besuchte sie ihre Grossmutter Vreni Balzer im bündnerischen Albulatal. Bei dieser Gelegenheit stellte Anna Hunger verwundert fest, dass zwar beide bei der gleichen Krankenversicherung versichert sind, ihre Grossmutter aber deutlich tiefere Prämien bezahlt. Dabei sind es doch die Älteren, die immer wieder medizinische Hilfe brauchen. Weshalb der Unterschied?

Unter den Versicherten einer Krankenkasse gilt das Prinzip der Risikosolidarität. Es spielt somit keine Rolle, ob jemand alt ist und tendenziell mehr medizinische Versorgung braucht oder wegen einer ungesunden Lebensweise der Krankenversicherung stärker zur Last fällt. Genauso wenig wird berücksichtigt, ob sich jemand viel bewegt und gesund ernährt und deshalb fast nie zum Arzt muss. Bei derselben Krankenkasse bezahlen alle Versicherten (abgesehen von Kindern und je Kanton auch Jugendlichen) grundsätzlich dieselbe Prämie. Die Krankenversicherungen dürfen bei der Prämienfestsetzung keine Unterschiede nach Krankheitsrisiko machen. Eine Krankenkasse nach Personengruppen zu unterscheiden, wäre ebenfalls nicht erlaubt. Es wäre den Versicherten auch nicht gestattet, auf Teile des Leistungspaketes in der Grundversicherung, etwa auf gynäkologische Untersuchungen oder auf vom Impfplan vorgesehene Impfungen, zu verzichten und damit die Prämie zu reduzieren. Das würde gegen den Solidaritätsgedanken verstossen.

Infrastruktur entscheidend

Einzig eine Unterscheidung nach dem Wohnsitz ist bei der Festsetzung der ordentlichen Prämien – abgesehen von gesteuerten Versicherungsformen (zum Beispiel HMO-, Hausarzt- oder Telmed-Modell), und Franchise-Varianten – erlaubt. Wenn Anna Hunger eine höhere Prämie bezahlt als ihre Grossmutter, hat das damit zu tun, dass diese in einer ländlichen und Anna in einer städtischen Region wohnt. In Zürich findet Anna viele Arztpraxen und Kliniken ganz in ihrer Nähe. Will hingegen ihre Grossmutter Vreni Balzer ins Spital, muss sie talaus nach Thusis oder Davos reisen. Nachts oder am Wochenende kann es sogar vorkommen, dass der diensthabende Notfallarzt so weit weg wohnt, dass dieser empfiehlt, doch direkt zum nächstgelegenen Spital nach Ilanz zu fahren. Entscheidend für die Prämienhöhe ist der Ausbau der kantonalen oder regionalen medizinischen Infrastruktur. Besonders ins Geld geht die Häufung von teuren Spezialarztpraxen. Zudem gilt: Je grösser und vielfältiger das medizinische Angebot ist, desto mehr nehmen die Menschen dieses auch in Anspruch. Personen in ländlichen Regionen mit einer weniger ausgebauten Infrastruktur sind hingegen mit Arztbesuchen eher zurückhaltend.

Kantonale Politik hat das Sagen

Damit ist auch klar, warum Kantone mit weniger Ärzten wie Uri oder Nidwalden relativ tiefe Prämien haben, solche mit hoher Ärztedichte wie Basel- Stadt oder Genf eher hohe. Wie stark ein Kanton seinen Standard im Gesundheitswesen ausbauen will, entscheiden die kantonalen Politiker. In einzelnen Kantonen gibt es sogar mehrere Regionen mit unterschiedlichen Prämien, unterteilt nach Stadt, Land und Agglomeration. Die Kantone Bern, Graubünden, Luzern, St. Gallen, Waadt und Zürich sind jeweils in drei Prämienregionen aufgeteilt. In Basel-Landschaft, Freiburg, Schaff hausen, Tessin und Wallis sind es zwei.

Notfalls springt der Staat ein

Das Solidaritätsprinzip der Krankenversicherer stützt sich auf die durchschnittlichen medizinischen Kosten in den einzelnen Regionen. Untere Einkommensschichten und kinderreiche Familien sind damit benachteiligt: Die medizinischen Durchschnittskosten der Region sind für sie zu hoch. Sie können die Prämien der Grundversicherung oft nicht mehr begleichen. In diesen Fällen sorgen die Kantone für zusätzliche Solidarität im Gesundheitswesen, indem sie den Betroffenen mit Prämienverbilligungen aus steuerlichen Mitteln unter die Arme greifen.