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Warum uns die Gesundheit so viel kostet

Die Gesundheitskosten steigen und steigen. Woran krankt der Patient Schweiz? Die wichtigsten Kostentreiber im Gesundheitswesen im Überblick.

Die Politik

Der Föderalismus hat viele Vorteile – Kosteneffizienz im Gesundheitssystem gehört nicht dazu. Durch die dezentralen Strukturen gibt es zu viele Ärzte und Pflegende in zu vielen, kleinen Spitälern. Dasselbe gilt für Alters- und Pflegeheime: Über die Hälfte haben weniger als 60 Pflegebetten, die betriebswirtschaftlich als Minimum gelten. Durch eine Zentralisierung der Leistungen würden Skaleneffekte möglich – ein Chirurg, der im Jahr 500 Fälle behandelt, kostet weniger als fünf Chirurgen mit je 100 Fällen.

 

Aufgrund des sogenannten Vertragszwangs darf jeder Arzt seine Leistungen über die Grundversicherung abrechnen. Durch eine Aufhebung des Vertragszwangs könnten die Versicherer die Verträge mit ungenügenden oder zu teuren Leistungserbringern kündigen. Mehr Wettbewerb und niedrigere Preise wären die Folge.

 

Immer mehr Vorschriften binden immer mehr Mitarbeitende der Krankenversicherer. Zudem schränkt die hohe Regulierungsdichte den Handlungsspielraum der Versicherer ein. Es wird immer schwieriger, innovative und auf Kundenbedürfnisse zugeschnittene Produkte zu entwickeln.

Die Medizin

In wenigen Branchen wird so viel in den Fortschritt investiert wie in der Medizin – mit segensreichen Folgen für viele Kranke. So war eine Hepatitis-C-Erkrankung bis vor kurzem nur schlecht und mit starken Nebenwirkungen therapierbar. Dank neuer Medikamente ist sie heute zu 99 Prozent heilbar. Nachteil: Die Medikamente kosten zwischen 42'543 und 77'209 Franken.

 

2010 veröffentlichte das US-amerikanische Institute of Medicine eine Studie, nach der ein Drittel der medizinischen Behandlungen in den USA unnötig sei. 750 Milliarden Dollar für nichts! Hierzulande startete die Schweizerische Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin 2014 die Kampagne «Smarter Medicine» mit dem Ziel, unnötige Interventionen wie präoperative Thorax-Röntgenbilder zu vermeiden. Auch der Bundesrat will der Überbehandlung einen Riegel vorschieben und alle medizinischen Leistungen nach ihrem Nutzen neu überprüfen lassen. Durch Effizienzmassnahmen könnten bis zu 20 Prozent der Gesundheitskosten eingespart werden.

 

Eine Studie des Krankenkassenverbands santésuisse zeigt: Die Margen für Medikamente sind in der Schweiz viel höher als im Ausland. 489 Millionen Franken könnten jährlich eingespart werden, wenn die Margen nur kostendeckend wären.

Der Mensch

Generell begünstigt das Versicherungssystem eine Anspruchshaltung nach dem Motto: Die Prämie ist bezahlt, also kann ich beliebig Gesundheit «konsumieren». Zudem können Versicherte mehr riskieren und ungesünder leben – für Folgen haftet ja die Versicherung. Instrumente zur Minderung des Fehlverhaltens sind die Kostenbeteiligung der Versicherten mittels Franchise und Selbstbehalt, Leistungskürzungen und -kontrollen sowie positive Anreize wie die Gesundheitsförderung.

 

Gemäss Euro Health Consumer Index 2015 wird das Schweizer Gesundheitssystem qualitativ nur vom niederländischen übertroffen. Darauf dürfen wir stolz sein. Wir sollten uns aber bewusst sein, dass die hohen Ansprüche auch viel kosten. Ein Beispiel: Immer mehr Frauen in der Schweiz bringen ihr Kind per Kaiserschnitt zur Welt (33,3 Prozent 2013). Für die Grundversicherung bedeutet das 25 bis 100 Prozent Mehrkosten pro Geburt.

 

Und schliesslich werden wir dank des medizinischen Fortschritts immer älter. Das kostet: Ein Kind zwischen null und zehn Jahren verursacht jährlich im Schnitt 2'165 Franken Gesundheitskosten, ein Erwachsener zwischen 81 und 90 Jahren 39'245 Franken.

ÖKK Standpunkte

Unsere Haltung zu zentralen gesundheitspolitischen Themen erfahren Sie hier – kurz und verständlich.